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Risiken
der Globalisierung Chancen, Risiken und Nebenwirkungen der Globalisierung ...
und die Aufgabe der Bildung... Zunächst einmal möchte ich die Frage stellen:
was ist eigentlich die Globalisierung? Und meine Antwort ist eben: die
Globalisierung ist das gefährlichste Phänomen, das der Menschheit je passiert
ist. Warum sage ich das? Also, gleich am Anfang will ich klar machen, dass ich
nicht gegen eine globale Vision bin – d.h. eine Vision des globalen Friedens,
der globalen Toleranz, der globalen Menschenrechte. Das sind letztendlich die
Grundideen der Vereinten Nationen. Aber das ist alles weit entfernt von der
Globalisierung, so wie sie sich in den letzten paar Jahrzehnten entwickelt hat. Diese Art Globalisierung ist keine Globalisierung
zugunsten der Menschheit sondern lediglich – oder in erster Linie –
zugunsten des internationalen Kapitalismus. Die Globalisierung in diesem Sinne
hat verheerende Folgen für die Welt. Sie zerstört überall Gemeinschaften,
Traditionen, Sprachen, sie macht die Umwelt kaputt, sie bringt keine Gleichheit
sondern steigert die Ungleichheit zwischen Arm und Reich. Gesteuert wird diese
Globalisierung erstens von den multinationalen Firmen, zweitens von gewissen
reichen Ländern – vor allem die USA – und drittens von gewissen
internationalen Organisationen wie die Weltbank, der Internationale Währungsfonds
und die Welt-Handels-Organisation. Diese Globalisierung passiert auf drei Ebenen, und zwar
wirtschaftlich, politisch und kulturell. Auf der wirtschaftlichen Ebene könnte man sagen, dass das
wesentliche Ziel der Globalisierung ist es, die ganze Welt in ein
Rieseneinkaufszentrum umzugestalten, nach dem Muster eines Einkaufszentrums in,
sagen wir mal, Chicago oder Phoenix, Arizona – ein Einkaufszentrum, wo nur
eine kleine Gruppe von Leuten bestimmen dürfen, was dort verkauft werden kann
und zu welchem Preis, und wo und wie es hergestellt werden darf. Und dieses
Einkaufszentrum ist nach privatwirtschaftlichen Regeln organisierst, weil die
Privatisierung mit Globalisierung einhergeht. Politisch bedeutet die Globalisierung, dass Regierungen überall
in der Welt zunehmend mediatisiert und von außen kontrolliert werden. Und auf der kulturellen Ebene? Also, im großen
Einkaufsparadies ist Kultur ein Produkt wie jeder andere und soll in möglichst
großen Mengen und möglichst billig hergestellt werden. Also, überall werden
amerikanische Filme gezeigt, amerikanische Popmusik gespielt, amerikanische
Fernsehprogramme wie CNN ausgestrahlt. Und natürlich überall ist das Internet
– mehr zu diesem Thema in einem Moment. Nun, was bedeutet die Globalisierung für die Bildung? Und
was sind die Aufgaben der Bildung in diesem Kontext? Das ist natürlich ein sehr
weites Feld, und ich werde mich auf nur ein paar wichtige Aspekte beschränken,
und insbesondere Aspekte, die für uns im UNESCO Institut für Pädagogik
naheliegend sind. Also, ich werde ein paar wichtige Folgen der
Globalisierung für die Bildung erwähnen. Erstens, wird die Bildung, wie fast
alle andere Bereiche, zunehmend privatisiert – und das gilt für alle Ebenen
von den Grundschulen bis hin zu den Universitäten. Die Folge ist wiederum eine
Steigerung der Ungleichheit. Ein Beispiel ist ein Land wie Tansania, das früher
ein allgemeines freies Schulsystem hatte und jetzt, unter Druck von außen, das
System teilweise privatisiert hat – mit der Folge, dass es jetzt zunehmend
eine Zweiklassengesellschaft gibt: auf der einen Seite diejenigen, die sich
Privatschulen für ihre Kinder leisten können, und auf der anderen Seite die
Mehrheit, die es sich nicht leisten können. Und so ist es in vielen anderen Ländern
ergangen. Und nun komme ich zur ersten Aufgabe der Bildung. Der Staat muss,
zumindest einigermaßen, den Boden zurückerobern, den er im Bildungsbereich
verloren hat, weil nur ein staatlich gefördertes Bildungssystem garantieren
kann, dass alle – arm und reich – gleichermaßen Zugang zur Bildung haben. Eine weitere Folge, die mit der Privatisierung einhergeht:
Überall wird die Bildung zunehmend als Berufsausbildung betrachtet. Und mehr
und mehr werden nur die Bildungsprogramme gefördert, die eine direkte Beziehung
zum Arbeitsmarkt haben. In der Sprache der Weltbank wird versucht “human
capital” – Menschenkapital -- zu schaffen. Das heißt der Endzweck Deiner
ganzen Bildung ist eben Dich zu einem Zahnrad in irgend einem Produktionsprozess
zu machen. Mit anderen Worten wir verlieren das Konzept der Bildung als ein
Prozess, der einen Wert für sich hat und der den ganzen Mensch bildet und nicht
nur gewisse Spezialfähigkeiten entwickelt. Wir in der UNESCO gehen davon aus,
dass jeder Mensch in der Welt ein Recht auf Bildung hat, u.z. lebenslang. Und
als wir vor vier Jahren in Hamburg unsere große Konferenz zum Thema
Erwachsenenbildung hielten, war die Devise: “Lifelong Learning – a tool, a
right, joy and a shared responsibility” – Lebenslanges Lernen: ein Werkzeug,
ein Recht, eine Freude und eine geteilte Verantwortung. Und ich würde
insbesondere das Wort “Freude” betonen. Eine Bildung, die wirklich den Namen
verdient, muss Freude bringen und nicht nur nach praktischen oder
Arbeitsmarkt-bezogenen Kriterien gemessen werden. Eine weitere Folge der Globalisierung im Bereich der
Bildung ist eben, dass die Art Bildung, die gefördert wird, im Wesentlichen
eine Bildung nach dem europäischen und nordamerikanischen Muster ist. Überall
in Namen der sogenannten Entwicklung und Modernisierung gehen traditionelle
Formen des Wissens und traditionelle Bildungssysteme verloren. Für uns im UNESCO Institut für Pädagogik ist es ein
wichtiges Anliegen, diese Entwicklung zu bekämpfen und traditionelles und
einheimisches Wissen zu fördern, ob es um traditionelles Medizin geht oder eine
traditionelle Art und Weise mit der Umwelt umzugehen. Ebenso wichtig ist es, das Konzept der Bildung zu
erweitern. Wir dürfen die Bildung nicht mehr nur im Sinne der formalen
Schulbildung betrachten. Ein wichtiger Begriff für uns ist “the Learning
Environment” – “die Lernumgebung”. Und das beinhaltet, unter anderem,
die Medien – die Presse, das Radio, das Fernsehen und die neuen elektronischen
Medien. Hier möchte ich ein paar Worte zum Thema der Rolle der Medien bei der
Bildung sagen. Die Medien sind ein sehr wichtiger Teil der Lernumgebung und von
daher haben sie die Pflicht, verantwortungsvoll vorzugehen in der Art und Weise
wie sie Information und Kenntnis vermitteln. Im großen und ganzen nehmen sie
diese Verantwortung nicht wahr. Es gibt allerdings Ausnahmen, wie Die Zeit
hier in Hamburg. Aber die meisten Zeitschriften und Magazine, die meisten Radio-
und Fernsehprogramme sind eher darauf erpicht, sensationelle Enthüllungen zu
machen oder irgendwelche Katastrophen zu berichten als ihr Publikum wirklich zu
informieren. Das Internet ist natürlich auch zunehmend ein sehr
wichtiges Medium weltweit. Und paradoxerweise, obwohl das Internet ein
wesentlicher Teil des Globalisierungsprozesses ist, enthält das Internet auch Möglichkeiten,
das Lokale auf eine ganz neue Art und Weise zu fördern. Ich glaube Werner Mauch
wird ausführlicher zu diesem Thema sprechen. Ich möchte mit folgendem Zitat enden: “Globalisierung ist was passiert, wenn Du Deinen Job in
Braunschweig verlierst, weil Deine Firma aufgekauft worden ist von einer
australischen Filiale eines multinationalen Unternehmens mit Sitz in Dallas, das
sich entschieden hat, seine T-Shirt-Herstellung nach Mexiko zu verlegen wegen
geringerer Lohnkosten und niedrigerer Gesundheits- und Sicherheitsstandarte.
Globalisierung ist was passiert, wenn Du endlich einen neuen Job in Altona
findest, aber gleichzeitig entdeckst, dass Dein Lohn reduziert und Deine
Arbeitsbedingungen verschlechtert worden sind, und zwar mit der Begründung,
dass diese Maßnahmen notwendig sind, damit die Firma mit mexikanischen oder
indonesischen oder chinesischen Arbeitern konkurrieren kann. Globalisierung ist
was passiert, wenn Deine Schwester vom Krankenhaus, wo sie arbeitet, gekündigt
wird, weil die Landesregierung unter Druck von den internationalen
Kreditorganisationen steht, Kosten zu sparen und die Steuer zu senken.
Globalisierung ist was passiert, wenn Du eine Hautkrankheit kriegst wegen eines
Lochs in der Ozonschicht, das verursacht wurde von den ganzen Chemikalien, die
von Aerosolen und Kühlschränken überall in der Welt ausgelöst werden. (Zitiert aus einem Artikel von J. Wiseman,
“Globalization is not Godzilla”, in Frontline, July 1995, Seite 5.) Diese Art Globalisierung müssen wir bekämpfen mit allen
Mitteln, die uns zur Verfügung stehen – einschließlich der Bildung.
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