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Jazz und Menschenrechte
Guten Tag! Vielen Dank, dass Sie
heute zu unserem Fest zu Ehren von Jazz und sozialer Gerechtigkeit gekommen
sind. Als erstes möchte ich fragen,
wer von Ihnen Jazz mag. Bitte heben Sie Ihre Hand! Wer von Ihnen hört manchmal
Jazz? Gar nicht? Sehr oft? Und wer von Ihnen spielt Jazz? Vielen Dank! Wie Sie wissen entstand der Jazz
in den 90er Jahren des 19. Jahrhunderts in New Orleans, und als erstes möchte
ich erwähnen, dass zwischen Hamburg und New Orleans eine tiefe Beziehung
besteht. In der Sonntagsausgabe der
Tageszeitung “The Independent” vom 8.July, also letzter Woche, las ich über
ein Buch mit dem Titel „Destined
to Witness“ –„Als Zeuge geboren“- von Hans Massaquoj, in dem er von
seiner Kindheit als Farbiger in Nazi-Deutschland berichtet. Der deutsche Titel
des Buches lautet „Neger, Neger, Schornsteinfeger!“ und es ist zur Zeit in
Deutschland ein Bestseller. Hat jemand von Ihnen das Buch gelesen?
Dies ist ein Photo von Hans
Massaquoi und seiner Mutter in Hamburg, wo er geboren wurde und aufgewachsen
ist. Rechts sieht man seinen Vater, der 1930 zurück nach Liberia ging. Hans überlebte
das Dritte Reich, so dass er uns heute davon berichten kann. 1950 ging er in die
Vereinigten Staaten, wo er mit einer anderen Form des Rassismus konfrontiert war, diesmal in der
amerikanischen Ausprägung. Er kämpfte an der Seite von Martin Luther King Jr.
in der Bürgerrechtsbewegung und wurde leitender Herausgeber der Zeitschrift „Ebony“
z.D. „Ebenholz“, welches das führende afro - amerikanische Magazin der
Vereinigten Staaten ist. Er ist heute 75 Jahre alt, und führt ein behagliches
Leben in New Orleans. Sein gesamter Lebenslauf kann in einem Satz
zusammengefasst werden: von Hamburg nach New Orleans. Ich konnte nicht der
Versuchung widerstehen, von ihm zu erzählen, da der heutige Nachmittag im
Zeichen von Jazz und sozialer Gerechtigkeit ebenso den Titel tragen könnte: Von
New Orleans nach Hamburg! Nun möchte ich Ihnen gerne eine Anekdote darüber erzählen, wie mir bewusst wurde, dass zwischen Jazz und sozialer Gerechtigkeit eine tiefe Beziehung besteht. In der Anekdote geht es um den berühmten Gospel Song „Oh Happy Day.“ Eines Tages, als ich ungefähr 10
Jahre alt war, saß ich am Klavier und übte Tonleitern,
als aus dem Wohnzimmer ein wundervolles Lied zu mir herüberklang. Meine
Eltern hörten sich gerade eine neue Platte an, und die Musik klang einfach
umwerfend, vollkommen anders als alles, was ich je gehört hatte. Ich wollte
wissen, wer die Musiker waren, und bat meine Eltern, mir die Plattenhülle zu
zeigen. Das Lied hieß “Oh Happy Day”, zu deutsch „Oh Glücklicher Tag“, und wurde 1968 von Edwin Hawkins komponiert. Ich erinnere mich noch deutlich an die tiefe Bewunderung, die ich für die Musiker empfand, deren Photo auf dem Plattencover abgebildet war, und ich betrachtete aufmerksam ihre leuchtenden Augen und lächelnden Gesichter. Erst danach fiel mir auf, dass sie schwarz waren. Der entscheidende Punkt ist, dass
ich anfing diese Musik zu lieben bevor mir die Hautfarbe der Musiker bewusst war, und daher rührt meine tiefe Überzeugung, dass alle Menschen fähig sind,
wundervolle Musik zu erschaffen, unabhängig von ihrer Hautfarbe, ihrem
kulturellen Hintergrund, ihrem Geschlecht usw. Und davon ausgehend glaube ich
ebenso, dass alle Menschen gleichermaßen kostbar sind und das selbe Recht
darauf haben, ein erfülltes und freudvolles Leben zu führen.
Als Kind fragte ich mich häufig:
„Warum können Menschen, die so wundervolle Kunst erschaffen, nicht eine
ebenso wundervolle Gesellschaft errichten?“ Heute, dreißig Jahre später,
stelle ich mir immer noch die selbe Frage. Aus dieser Motivation heraus habe ich letztes Jahr das Transcend Art and Peace Networt gegründet, um zusammen mit verschiedenen Künstlern und Kollegen aus aller Welt die Beziehung zwischen Kunst und Frieden zu erforschen. Für weitere Informationen zu unserer Arbeit steht Ihnen unsere Webseite zur Verfügung. Sie finden die Adresse auf dem Informationsblatt, das Sie erhalten haben. Bitte schauen Sie sich die Webseite einmal an, wenn Sie Zeit dafür haben, und wenn Sie möchten, senden Sie gerne Ihr Feedback. Zurück zu dem Lied, das damals
einen solchen Eindruck auf mich gemacht hat. Gospel ist nicht das selbe wie
Jazz, aber die beiden sind verwandt. Ich kann mit Recht sagen, dass dieses
Gospellied meine Einführung in die Welt des Jazz darstellte, und es machte
diesen Tag vor dreißig Jahre wahrhaft zu einem glücklichen Tag für mich. Hören
wir nun dieses Lied!
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