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Der Satan als Archetypus des Bösen im Außen

Da gibt es nun auch diejenigen, die sagen, diese These stimme nicht, die sagen Gewalt sei ihre eigene Ursache. Und man findet etwas das vor einem steht, außerhalb von einem steht und man gibt ihm einem Namen: ‚das Böse’. Woher stammt diese Idee? Die kommt selbstverständlich aus den abrahamitischen Religionen – die Idee vom Satan, vom Teufel. Das ist derjenige, der eigentlich nur eine Zielsetzung hat, nämlich das Böse auszuüben. Das macht er ganz schön geschickt, er hat dafür auch eine Werkstatt, die Hölle, und die ist sehr gut eingerichtet. Außerdem gibt es eine Menge Menschen dort unten, die leiden. Man hat also eine Figur geschaffen. Mir wurde mal von einem indischen Philosophen gesagt: „Man kann viele Dinge über den Hinduismus sagen, aber so satanisch, dass wir den Satan erfunden hätten, sind wir nicht – daran seid ihr im Westen schuld.“ Ich fand das ganz zutreffend. Wir haben also einen Archetypus. Wir erinnern uns natürlich auch daran, dass der Satan einmal ganz oben war, als Erzengel, der dann gefallen ist. Er hat einmal mit Gott zusammengearbeitet, sagen wir doch einfach mal mit dem CIA und dann ist er gefallen und ganz böse geworden und wurde Terrorist. Ich empfinde diese These als eine ausgesprochen dumme These und denke nicht, dass es so ist. Ich denke eher es gab genau diese angesprochene Kette vorher und es könnte sein, dass man etwas genauer hinschauen muss, um Phase zwei und Phase eins zu finden. Heute haben wir einen anderen Namen für Satan – den Namen Terrorist. Je häufiger man das Wort Terrorist sagt, desto mehr hat man den Intellekt und die Möglichkeit der Analyse abgeschrieben. Man sagt damit eigentlich ‚ich werde alles versuchen, um es nicht zu verstehen’. Man will es überhaupt nicht verstehen und behauptet einfach nur, sie seien böse, und dass sie es deswegen getan haben. Wenn ein Mensch innerhalb von 20 min 26 mal das Wort Terrorismus angewandt hat, weiß ich analytisch gesehen etwas darüber, wo er steht. Hier kommt etwas sehr entscheidendes: wenn man nur behauptet, jemand sei halt ein Terrorist, dann ist man im Sinne von Piaget im Stadium eins ‚Absolutismus’, mit der Einstellung: was passiert könnte gut oder böse sein, ich habe damit aber nichts zu tun – es kommt von draußen. Wenn man etwas älter ist, sagen wir sieben oder acht Jahre, fängt die Idee von Reziprozität, von Wechselseitigkeit, an. Es könnte sein, dass ich etwas tun kann und damit kann ich das Gute oder das Schlechte im anderen herausholen und der andere könnte das mit mir tun. Das folgt zu einer Kette und es könnte eine gute Kette sein oder eine böse, eine sogenannte Vergeltungskette. Man könnte also sagen, dass die Regierungen, so wie sie heute reden, knappe vier Jahre alt sind, sieht man sie im Sinne Piagets. Das ist kein Kompliment und es soll auch keins sein. Ich finde es empörend, dass die Regierungen ihre Bürger so schlecht behandeln und ihre Einschätzungen als Analyse verkaufen wollen. Es ist eine Tatsache, dass es Gewaltspiralen gibt und man vergisst die Vergangenheit der Phase eins und Phase zwei und stattdessen sieht man nur noch die Gewalt von gestern und vorgestern. Die Gewaltspirale dreht sich weiter und weiter und wir nennen es die Vergeltungskette. Es stellt sich die Frage, wie man da aussteigen könnte und man raus kommt - das ist nicht so einfach. Es gibt ein einen Ausdruck, der kling religiös und ist auch so gemeint, die Phase vier, und die heißt ‚Versöhnung’. Die Meister der Versöhnung seid ihr, die Bundesdeutschen. So sehen sich die Deutschen selbst meist nicht, denn es ist meist nicht gut angesagt, in Deutschland gut über die Deutschen zu reden. Wenn man schlecht über die Deutschen redet, dann sind die Deutschen meist ganz glücklich. Ihre ursprüngliche Idee war schließlich, die Besten sein zu wollen. Nun sagen sie sich, wenn wir schon nicht die Besten sind, dann sind wir wenigstens die Schlimmsten. Und nun kommt also jemand und sagt, ihr seid doch gar nicht so schlimm. Ich verdeutliche das folgendermaßen: man hat 18 Länder besetzt während der Nazizeit, darunter auch mein eigenes Land, man hat alles versucht, um zwei Volksgruppen auszurotten, die Juden und die Sinti und Roma und heute hat man gute Verbindungen zu allen 20. Ich würde sagen, dass dies meisterhaft ist – ich kenne dafür kein anderes Beispiel in der Geschichte, wo man das geschafft hätte.

Diagnose, Prognose, Therapie

Es gab also einen Anschlag in Manhattan und diejenigen, die das verübt haben, haben einen Text hinterlassen, keinen Brief. Dieser Text ist auf drei Gebäude geschrieben, das ökonomische Amerika, das militärische Amerika und das außenpolitische Amerika. Wie kann man das verstehen? Um einen Text zu verstehen, muss man auch sehen, was nicht im Text steht. Der US-Kongress wäre ein einfaches Ziel gewesen, das Gebäude ist groß und deutlich zu sehen. Man hat also eine Wahl getroffen. Wenn man also sagt, es sei gegen die westlichen Demokratien, ist das ganz einfach eine Lüge. Wenn das der Fall wäre, hätte man dieses Gebäude zerstört. Wäre es gegen die amerikanische Zivilisation und gegen die amerikanische Kultur, wäre das Lincoln Memorial, das Arlington Cemetery, das Museum of Modern Art, einige Kathedralen oder Hollywood, also Dinge an die die Amerikaner glauben und die sie sehr lieben, die Ziele gewesen. Das hat man aber nicht getan. War es also gegen Amerikaner – ja es war teilweise gegen Amerikaner. Es war verrückt, es war Gewalt, es war grausam und ich finde es absolut falsch. Ich möchte sehr viel lieber etwas Gewaltloses gesehen haben. Dennoch werde ich versuchen, es zu verstehen. Der Text ist kristallklar, gegen das Ökonomische, gegen das Militärische und gegen das Außenpolitische. Wir reden hier also auch von struktureller Gewalt, die von den USA ausgeht. Es handelt sich also um eine Vergeltung. Kann man es anders deuten, vielleicht als Eroberungsversuch –ich glaube nicht. Ich glaube nicht, dass die Leute, die hinter dem Anschlag stehen, dies als Anfangsphase der Eroberung der USA ansehen. Warum glaube ich dies nicht? Dann hätte man das anders getan, dann hätte man mit dem Fernsehen angefangen, man hätte alle Fernsehkanäle versucht einzunehmen oder einen Coup gegen die Regierung zu machen. Die Regierung selbst hat man sogar außer Acht gelassen und als unwichtig empfunden.

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