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Globalisierungsfreihe Zonen und Demokratisierung

Versuch Nummer Zwei: Wenn man das ökonomische Amerika und das militärische Amerika zusammen legt, bekommt man die Globalisierung. Die Summe von diesen beiden Säulen ist Globalisierung. Könnte man sich globalisierungsfreie Zonen vorstellen? Es gibt die These, dass Globalisierung das Beste sei. Es gibt Leute, die diese These vertreten. Aber es es gibt Zonen in der Welt, die nicht bereit für eine solche Globalisierung sind. Ich habe drei erwähnt- die Republiken in den Anden, Bolivien, teilweise auch Chile, es beginnt also nördlich von Argentinien und es endet mit Mexiko. In Schwarzafrika und Südasien ist es genauso. Könnten sie dort nicht Globalisierungsfreiheit haben. Die dritte Welt hat ja die Kyotoprotokollfreiheit. Warum soll es da nicht möglich sein, über Globalisierungsfreiheit zu reden? Also liebe Bundesregierung- hier haben sie eine Initiative, nehmen sie es- die Idee ist frei, ganz frei und bietet eine Möglichkeit. Dies würde dann selbstverständlich mit anderen Initiativen vereinbar sein. Zum Beispiel einer massiven Offensive zur Unterstützung der Lokalökonomie. So könnten die zahlreichen Agrargemeinschaften in die Lage versetzt werden, für die Befriedigung der menschlichen Bedürfnisse zu sorgen. Das ist völlig möglich. Technologien gibt es genug, den Zugang könnte man über das Internet bekommen, besonders wenn Intellektuelle sagen würden, dass alles was sie erfunden haben und das für die Befriedigung der elementaren Bedürfnisse wichtig sein könnte, frei sei. Es gäbe keine Patente. Wenn es Patente gibt, wehrt man sich eben gewaltlos und stellt das Wissen trotzdem zur Verfügung – so könnten es die guten Wissenschaftler machen. Ich meine damit nicht, dass es böse Wissenschaftler gibt, aber es gibt mit Sicherheit böse Strukturen. Dies wäre wirklich möglich und es würde eine große Veränderung bringen.

Gehen wir weiter zur Palästina und Israel. Heute ist die Lage nicht reif. Es ist so unreif wie die Lage 1987 in Südafrika und doch hat man fünf Jahre später die Lösung gefunden. Warum? Frederic LeClerk und Nelson Mandela haben zum Beispiel mir und vielen anderen Leuten das folgende gesagt: ”Die Apartheitsmenschen waren demoralisiert.” Wann ist man demoralisiert? Das entsteht durch das Verstehen, dass das, was man tut

a –unmoralisch und b –nicht durchführbar ist.

Wenn es unmoralisch ist, aber möglich zu tun, dann bleibt man vielleicht dabei. Aber wenn es dazu auch noch unmöglich ist, dann kommt eine leichte Depression. Wir kriegen alle diese Depressionen ab und zu. Was tut man dann? Nachdenken, Denkpause, versuchen zu verstehen, was vor sich geht, Dialog, Konflikte lösen, Versöhnung. Das haben sie in Südafrika getan. Das haben Frederic LeClerk und Nelson Mandela und ihre Leute hervorragend gemeistert. Also setzen wir diese zwei Leute mit ihrer Erfahrung ein in Israel und Palästina. Also bitte: Nelson, Frederick, where are you, when we need you? Geht mal dort hin. Es spielt keine Rolle Nelson Mandela, wenn du ein wenig krank bist, Deine Austrahlung ist trotzdem fantastisch.

Ist Israel dazu bereit? Noch nicht. Am Ende des Weges auf dem Israel sich, geleitet von Sharon, befindet, gibt es keine Sicherheit. Das weiß die Mehrheit. Was man dort am Ende findet ist noch größere Unsicherheit. Daher wiederum wird man die Demoralisierung erfahren und die Demoralisierung wird eintreten, was tut man dann? Der Mittlere Osten, wie ich ihn als einen Mittleren Osten des Friedens verstehen würde, täte in dieser Region mit dem verhassten Israel genau dasselbe, was fünf Länder mit dem verhassten Deutschland getan haben. Die fünf Länder waren die drei Benelux-Länder, Italien und Frankreich. Dieser Prozess hatte seinen Preis und hat geschmerzt. Man hat also eine Gemeinschaft gemacht.

Man sollte also eine Gemeinschaft des Mittleren Osten machen. Libanon, Syrien, Palästina – das es heute noch nicht gibt - und Israel. Eine Konsensgemeinschaft für Wasserprobleme, für Flüchtlingsprobleme, Waffenprobleme, Drogenprobleme, für Handel und Tourismus. Dann geben Jordanien und Ägypten ganz viele Quadratkilometer den Palästinensern - für 99 Jahre, weil Palästina zu klein ist. Palästina wird selbstverständlich anerkannt mit einer Hauptstadt in Ost-Jerusalem und dem Right of Return - über die Anzahl kann man diskutieren. Zwei palästinensische Kantone in Israel, in der Nähe von Nazareth und Haifa. Zwei jüdische Kantone auf der Westbank. Man macht einen Staatenbund und der Staatenbund könnte eine weitere Fortsetzung dieser Gemeinschaft sein, aber nicht nur mit Israel und Palästina. Andere müssen sich daran beteiligen. Auf die komplette Anerkennung folgt dann die positive und kooperative Zusammenarbeit. Ich könnte sehr viel mehr dazu sagen, ich habe das nur angedeutet, aber ich bin überzeugt, dass es ist komplett möglich wäre, so etwas zu realisieren. Welches sind nun die Staaten, die als Vermittler funktionieren könnten? Nicht die Vereinigten Staaten. Den Vereinigten Staaten sagt man: „Vielen Dank für ihre Bemühungen, sie haben leider nicht so ganz geglückt. Geht mal nach hause und macht aus den Vereinigten Staaten ein gutes Land, da gibt es viele Aufgaben.“

Die Nordische Gemeinschaft, die Europäische Gemeinschaft und Asien. Das sind Länder, die erfolgreich Gemeinschaften erbaut haben und dadurch besser mit Konflikten umgehen konnten. Dort gibt es auch noch ein wenig Geld – sie könnten also ihre Erfahrungen und ein wenig Geld einspritzen – es wird dort gebraucht.

Ich habe schon einige Vermittler angedeutet. Die Stunde dafür hat noch nicht geschlagen, die Zeit ist noch nicht reif, aber es möglich, so etwas zu tun, nicht heute, nicht morgen, aber bestimmt übermorgen.

Wir gehen weiter. Ich möchte eine Reihe von Widersprüchen aufzeigen, in die sich die Vereinigten Staaten verfangen haben.

Liebe Freunde in Washington, von diesen 14 Widersprüchen kommt ihr nicht los. Ihr habt keine Ahnung, wie ihr das meistern könnt. Das Wort Widerspruch ist nicht dasselbe wie ein Problem. Mit Problemen bist du meisterhaft, du nimmst Probleme an und das ist das Wunderbare an Amerika und an den lieben Amerikanern. “What- the car is in A and ist should be in B - ....roll up the sleeves, get the fucking car moving.”[i] Das ist Amerika – ich habe es gern – ich liebe es. Es ist mutig, sehr häufig innovativ, optimistisch, kollektiv. Aber mit diesen Widersprüchen kommst du nur aus, wenn du dein System veränderst. Das heißt ganz einfach das folgende: Das Bestreben der momentanen Amerika-Ökonomie aufzugeben. Ich glaube es wird so enden, wie William Pfaff, ein Kolumnist der Herald Tribune es gesagt hat: Zurückziehung ist Rationalismus. Ich würde das begrüßen. Ich glaube, dass das eine Herausforderung für uns alle ist. Was sind die Alternativlösungen? Das Land das davon am meisten profitieren würde sind die Vereinigten Staaten. Man brauch diese Alpträume nicht mehr von diesen ganzen angeblichen Terroristen. Sehen wir auf die Blüte Londons nach der Aufgabe des Imperialismus. Guck mal Deutschland an- ich glaube man ist glücklicher heute als während der Nazizeit. Ganz einfach aus einem wesentlichem Grund, man hat weniger Probleme. Imperialismus tut dem Schlafen nicht gut – und schon gar nicht gegen Depressionen. Am Anfang scheint es vielleicht nicht so schlecht zu sein, aber dann wird es immer schlimmer. Ich habe jetzt also eine Liste von 14 Widersprüchen – 1980 hatte ich einmal eine Liste von fünf Widersprüchen für ein Land. Meine Vorhersage damals war, der Imperialismus und die Mauer können unmöglich noch mehr als zehn Jahre überleben. Der Name des Landes ist Sowjetunion und diese Vorhersage habe ich ganz häufig gemacht, eines Tages auch in einer Gesellschaft in Dänemark, der Dänischen Geographischen Gesellschaft. Sie haben beim Mauerfall von Berlin ein Telegramm geschickt. „Lieber Johan, das hatte zwar gestimmt, aber mit knappen zwei Monaten Verspätung. Sei doch nächstes Mal bitte etwas genauer“ Das ist typisch dänisch.

Ich habe von 14 Widersprüchen geredet, das Attentat von Manhattan hat nur mit Widerspruch vier zu tun: der Wechselseitigkeit Terrorismus und Staatsterrorismus. Nur diese Vergeltungskette ist entscheidend, obwohl es dreizehn andere gibt. Man stelle sich also vor: man sitzt dort oben mit vierzehn Widersprüchen auf dem Tisch und es sieht ein wenig hoffnungslos aus. Also die leichte Depression kommt. Dann kam der Bush und ich sage, das kann zwar 20 Jahre aber wohlmöglich auch nur 15 Jahre dauern, da der Beschleunigungsfaktor G.W. Bush so hoch ist. Wie es sich weiterentwickeln wird weiß ich selbstverständlich nicht, aber meine Ahnung geht in die angedeutete Richtung.


[i] „Was – das Auto steht immer noch in A und sollte schon in B sein. Los krämpel die Ärmel auf und bring die Scheißkarre zum laufen.“

 

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